++ 14.02.2005, Allgäuer Zeitung ++

Von Ladykracher bis Neon-Strip
Beim Bockbierfest in Wiggensbach wird das "ruhige Dorfleben" aufs Korn genommen


Wiggensbach (mdu). - Die Ereignisse des vergangenen Jahres waren alles andere als spannend. Doch die Mitwirkenden des Wiggensbacher Bockbierfestes 2005 zeigten im Saal des Gasthofs "Zum Kapitel", dass man auch aus kleinen lokalpolitischen und gesellschaftlichen Themen einen unterhaltsamen Abend zusammenstellen kann. Auch wenn die einzelnen Nummern ein paar Straffungen hätten vertragen können, am Ende der Dreieinhalb-Stunden-Show gab es von den 350 Besuchern stürmischen Applaus. "Warum sollt's mir grausen? Ich hab doch keinen Bock geschossen", meinte Bürgermeister Heribert Guggenmos zu Beginn der Premiere am Freitagabend auf die Frage von Moderator Oliver Stiefenhofer, ob er sich noch wohl fühle. In der Tat, "Heri", wie die Wiggensbacher ihren Rathauschef nennen, gab keine rechte satirische Zielscheibe ab. "Wenn überhaupt etwas passiert, dann kommt das vom Kapitel-Wirt", war sich das betagte "Kapellengarten-Trio" (Ludwig Altweck als Hausmeister, Robert Weber und Georg Weixler als "Tratschen") sicher. Souverän hatte besagter Wirt Harald Mäser zuvor ein Fass angezapft und so das Fest eröffnet. "Dieser Laden isch a Schau, aber seine Preise au", mokierte sich das Trio über die prämierte "lichtdurchflutete Bio-Schaukäserei". Aber auch das "Gewerbe-Event 2004" im "dorfeigenen Ruhrpott" stieß den Alten sauer auf. Schließlich hätten örtliche Handwerker einem da Dinge "angedreht", die man gar nicht brauche. Angesichts eines Pultdachbaus am Kreisverkehr mutmaßten sie, ob der örtliche Skilift-Betreiber eine Skischaukel zum Blender und nach Eschach plane. Effektvoll inszeniertes Schwarzes Theater bot das "Männer-Ballett", das mit einer etwas anderen Neon-Strip-Show die Lachmuskeln strapazierte. "Matz fahr ab" hieß es bei der gelungenen Multi-Media-Show der "Daltons", die das Dorfleben satirisch aufs Korn nahm. Dass es mittlerweile auch Wiggensbach schlecht gehe, sei an den beiden Töchtern des Raiffeisenbank-Chefs ersichtlich: "Die Röcke der Damen werden immer kürzer", frotzelten die beiden Ober-Daltons "Elvis" (Wolfgang Steinhauser) und "Presley" (Klaus Maier) und kritisierten die Kosten für den neuen Spielplatz: 60 000 Euro für einen Borkenkäferwald sei wohl übertrieben, zumal meist nur 13 Kinder vor Ort gesichtet würden. "Macht 4615,38 Euro pro Kind", rechneten sie vor. Für Lachsalven sorgte der "Wiggensbacher im Himmel" (Georg Weixler). Das "Wochenblättle" hatte es ihm angetan. "Seit dem ersten Weltkrieg hat sich außer dem Datum und dem Preis nichts geändert", schimpfte er und regte eine spritzigere Gestaltung an. Aber auch der "heimatdichtende Schulrektor" oder eine radelnde Oldie-Truppe bekamen fleißig Spott ab. Etwas fürs Auge und Ohr boten die "Ladykracher" (Daniela Huber, Claudia und Tanja Amann) mit peppigen Gesangseinlagen. Mit schmissigen Klängen rundete die Harmoniemusik Wiggensbach das Bockbierfest ab. iRestkarten für die Aufführungen am 18. und 19. Februar unter Telefon (08370) 9219-28.