++ 26.02.2007, Allgäuer Zeitung ++

„Statt von der Puppe von Muttern die Suppe“
Beim Bockbierfest in Wiggensbach ziehen Redner das Dorfleben durch den Kakao

Wiggensbach (mr). Den Starkbieranstich gibt’s beim Wiggensbacher Bockbierfest nicht. Aber was die Stimmung anbelangt - da müssen sich die Oberallgäuer nicht vor der Veranstaltung am Nockherberg verstecken. Denn beim Derblecken laufen die Originale des Dorfs, allen voran Georg Weixler als der „Wiggensbacher im Himmel“, zur Höchstform auf. Wahre Lachsalven rauschen dann ständig durch den „Kapitel“-Saal.
Natürlich war des Bürgermeisters Auszug aus ehelichen Gefilden für den Oberkomödianten Weixler ein gefundenes Fressen. „Wenn nichts mehr los ist mit der Puppe, dann kocht halt Muttern eine gute Suppe“, höhnte er. In einem „beschindelten Buckinghampalast“ residiere jetzt der Rathauschef hoch über vielen Häuptern. Von dort aus genieße er einen schönen Blick, auf dia wiaschta Häus’r in Weschte’ried.“ Scheinbar habe man dort den gleichen Architekten eingeladen wie die Bauherren des Tennisheims, unkte Weixler.


Allerdings: Der „größte Hammer des Jahres“ war für Weixler die Tastsache, „dass’s d’r Bürgarmeischt’r beim Bergauffahra vom Rad raprieglet hot“. Vergleichsweise human sprang Weixler mit dem nach Sonthofen pendelnden „Apatschenhäuptling“ um. Zwar predige der den Bürokratieabbau, den niemand merke. Aber: „Wenn der Kerle könnt’, wie er möcht’, und wenn andere in München und Berlin des täten, was sie sollten... ja dann hätt’ der Landrat no mehr Freid“, mutmaßt der „himmlische Wiggensbacher“. Gleich darauf hebt er aber warnend den Finger: Rechtzeitig umsehen solle sich der „Überall-Vorstand“. Denn selbst dem „Ober-ober-Indianer in der Staatskanzlei“ sei der Sessel plötzlich „weggeweht“.
Mitten ins Volk hinein, das war eingangs die Devise der Wiggensbacher Musikkapelle. Unter ihrem neuen Dirigenten Holger Seitter spielten sie im ganzen Saal verteilt den Bayerischen Defiliermarsch.
Auch die „Rentner“ vom Kapellengarten drückten aufs Gas. „Lieber Bockbier als Shakespeare“, betonte Georg Weixler und prostete seinen Kameraden zu. Zuerst ging’s um die „Rentner-Bravo“ (Apothekenzeitung). Diese proklamiere auch den „guten Sex im Alter“, so die Rüstigen. Robert Weber und Ludwig Altweg kümmerten sich auch um die Verdienste der Gemeindeführung. Ob man in Wiggensbach nicht doch eine „Guggenmos-Allee“ oder eine „Oberhaustanne“ brauche?, überlegten sie.
Nicht ganz so wohl in „Little-Herry-Town“ fühlten sich die „Daltons“. „Alles Mögliche und Unmögliche“ werde im Gemeinderat genehmigt, und Aufmucker würde der Rathaus- chef am liebsten an den Marterpfahl stellen, hieß es. Freilich, die Laune der „Daltons“ litt darunter nicht, begab man sich doch nur von Strohhüten bedeckt auf die Bühne. Johlender Beifall gehörte diesen mutigen Darstellern.

Weitere Höhepunkte des Abends: Die „grazilen“ Bewegungen des Schwanensee-Ballets, das die Harmoniemusik stellte. Oder auch die Auftritte der „3er-Pack-Musikgruppe“. Was da Claudia Amann, Tanja Ruf und Rolf Besler selber dichteten und dann in bekannten Melodien gekonnt vortrugen, animierte das Publikum zu lauten Zugaberufen. Da gerieten die hochphilosophischen Gespräche des Apatschenhäuptlings mit seinem Oberzäunemeister schon fast in den Hintergrund.


Zweimal war das Haus am Wochenende voll besetzt, auch nächsten Freitag (noch Restkarten unter: 0 83 70 - 84 88 ab 17 Uhr) und Samstag ist der „Wiggensbacher Nockherberg“ so gut wie ausverkauft.